Wer im Oktober mit dem Hund durchs Sauerland oder den Rand des Schwarzwalds läuft, merkt es selbst: Zecken sind längst nicht weg, nur weil die Badesaison vorbei ist. Die kleinen Spinnentiere werden erst ab dauerhaft zweistelligen Minusgraden wirklich still. Für Hunde ist das ein echtes Thema, denn sie liegen im Schnitt deutlich länger im Gras und Unterholz als wir und bringen die Blutsager fast unbeachtet mit ins Haus.
Warum der Hund häufiger erwischt wird als sein Mensch
Zecken lauern nicht in Bäumen, wie viele denken, sondern maximal einen halben Meter über dem Boden: am Rand von Wiesen, an Brombeergestrüpp, entlang von Wald- und Feldwegen, wo Rehe und Mäuse regelmäßig vorbeikommen. Ein Hund streift mit Bauchhöhe genau diese Zone, dazu kommt sein warmer Körper und der Geruch des Fells. Im eigenen Garten reicht übrigens schon eine Hecke mit Laubschicht, damit sich Zecken halten.
Die 7 Stellen, an denen Zecken beim Hund sitzen
Nach der Gassirunde zwei Minuteninspection, das wird schnell Routine. Zecken suchen dünne, geschützte Hautstellen:
1. Ohren, innen und außen, inklusive der Ohrmuschel-Rückseite 2. Achseln, also die Stelle, wo das Vorderbein den Rumpf berührt 3. Leiste und Innenschenkel 4. Zwischen den Zehen und um die Ballen 5. Achselhöhlen der Hinterläufe und der Ansatz der Rute 6. Lippen und Lefzen, besonders bei langhaarigen Hunden 7. Hals und Nacken unter dem Halsband, wo es warm und feucht ist
Bei kurzem Fell sieht man die meisten Tiere sofort, bei dichter Unterwolle ertastet man sie besser als kleine erbsengroße Knubbel. Ist die Zecke schon vollgesogen, fühlt sie sich an wie ein kleines warzenartiges Gewebe.
Richtig entfernen: Karte, Haken, Geduld
Nicht drehen, nicht quetschen, nicht mit Öl oder Kleber trieseln. Eine Zeckenkarte oder ein Zeckenhaken greift das Tier möglichst hautnah, dann wird der Haken gleichmäßig nach oben oder seitlich abgezogen, ohne Druck auf den Körper. Beim Hund klappt das am besten, wenn eine Person ruhig hält und die andere arbeitet. Danach die Stelle kurz mit Hunde-verträglichem Desinfektionsmittel reinigen, nicht mit dem hochprozentigen aus der eigenen Hausapotheke am Fellrand entlang.
Was viele verunsichert: Ein kleiner dunkler Punkt in der Einstichstelle ist meist nur ein kleines Blutgerinnsel, kein "stecken gebliebener Kopf". Der Hund stößt das innerhalb weniger Tage ab. Nur wenn die Stelle nach Wochen größer wird, eitert oder der Hund apathisch wird, gehört er angeschaut.
FSME, Borreliose und was davon beim Hund wirklich zählt
Die Zahlen vom Robert Koch-Institut beziehen sich vor allem auf den Menschen, aber die Erreger sind dieselben. In den aktuell ausgewiesenen FSME-Risikogebieten, laut RKI-Stand 2026 große Teile Süddeutschlands und einzelne Landkreise im Osten, können infizierte Zecken auch beim Hund Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen, allerdings deutlich seltener als Borreliose. Gegen Borreliose gibt es beim Hund eine Impfung, die manche Tierärzte in Hochrisikogebieten anbieten, die StIKo vet bewertet das je Region unterschiedlich. Für FSME existiert bislang kein zugelassener Hundeimpfstoff, wer im Schwarzwald oder in Bayern viel im Unterholz unterwegs ist, arbeitet deshalb besser mit konsequenten Kontrollen und zeitnahem Entfernen: Übertragungen von Borrelien brauchen meist mehrere Stunden, eine Zecke, die abends beim Kontrollblick verschwindet, hat das Schlimmste oft schon nicht mehr geschafft.
Wem ein Zeckenhalsband wirklich hilft und wem nicht
Klar gesagt: Ich empfehle hier kein bestimmtes Produkt, das soll jeder mit seinem Tierarzt entscheiden. Die Wirkstoffhalsbandszene ist unübersichtlich, einige Wirkstoffe sind für Katzen gefährlich, wer Hund und Katze gemischt hält, sollte das wissen, bevor ein frei zugängliches Halsband über Nacht auf der Kratzbaumdecke liegt. Für die meisten Stadthunde mit kurzer Runde durch die Parks reicht die Kontrolle plus das schnelle Entfernen völlig. Wer jagdbedingt stundenlang durchs Unterholz geht, bespricht die Chemiekeule oder zumindest ein Spray für Beine und Bauch besser im Einzelgespräch, inklusive Fellfarbe und Jahreszeit.
Der einfache Herbst-Rhythmus
Nach jedem Ausflug: einmal kurz durchfilzen, die sieben Stellen abtasten, Gefundenes sofort mit Karte oder Haken raus. Ein Eintrag ins Handy, wann und wo, hilft dem Tierarzt später enorm, falls wochen später ein verdächtiger ringförmiger Hautfleck oder Schlappheit auftaucht. Zwei Minuten pro Tag, und die Zeckensaison geht für den Hund ruhig und ohne Panik zu Ende.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Fieber, Lahmen, Appetitlosigkeit oder Hautveränderungen nach einem Zeckenstich bitte den Tierarzt aufsuchen. Risikogebiet-Infos: RKI, Bulletin zu FSME-Risikogebieten, Stand 2026.