Der Frühling hat Brandenburg schon Ende April in ein grünes Mosaik aus Kiefernwäldern, Seen und weiten Feldern verwandelt – und mit ihm die ersten Zecken, die sich an Grashalmen und niedrigen Zweigen auf ihre nächste Mahlzeit warten. Wer in der Region lebt oder nur für ein Wochenende in den Spreewald fährt, kennt das leise Kratzen im Nacken, das einen kurz innehalten lässt: War das ein Stich oder nur ein Grashalm? Genau hier setzt der folgende Überblick an – praxisnah, lokal verankert und ohne theoretischen Ballast.
Wo in Brandenburg das FSME‑Risiko am höchsten ist
Das Robert‑Koch‑Institut (RKI) veröffentlicht jährlich eine aktualisierte Karte der FSME‑Risikogebiete auf Landkreisebene. In Brandenburg weist das RKI für 2026 fünf Kreise als Risikogebiete aus – Elbe‑Elster, Frankfurt (Oder), Oberspreewald‑Lausitz, Oder‑Spree und Spree‑Neiße –, die seit mehreren Jahren durchgehend dazugehören. Die interaktive RKI‑Karte lässt sich direkt auf der Seite des Instituts einblenden; sie zeigt farblich abgestuft, wo die Impfempfehlung für Einheimische und Reisende gilt. Ein Hinweis: Die aktuelle Liste hat den Stand Januar 2026 und umfasst bundesweit 185 Land‑und Stadtkreise; sie wird jährlich neu geprüft. Wer sich unsicher ist, ob der eigene Wohnort betroffen ist, kann die Postleitzahl in das Suchfeld der Karte eingeben und erhält sofort eine klare Antwort.
Zeckenarten, die hier unterwegs sind: Holzbock und Auwaldzecke
In Brandenburg dominieren zwei Arten das Geschehen. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist der klassische Wald‑ und Wiesenbewohner, der von März bis November aktiv wird – besonders nach milden Wintern schon ab Februar. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) bevorzugt feuchtere Standorte wie Auenwälder, das Havelland und die Randbereiche des Spreewalds; sie kann bereits bei Temperaturen um 4 °C aktiv sein und ist damit oft die erste Zecke, die im Jahr auftritt. Beide Arten können Borreliose‑Erreger übertragen, doch nur der Holzbock ist der Hauptvektor für das FSME‑Virus. Wer sich also in den typischen Kiefernforsten des Barnim oder an den Ufern der Havel bewegt, trifft vor allem auf den Holzbock; in den feuchten Niederungen des Spreewalds ist die Auwaldzecke häufiger anzutreffen.
Borreliose‑Inzidenzen nach Landkreisen: Was die Zahlen 2023/2024 zeigen
In Brandenburg unterliegt die Lyme‑Borreliose der Meldepflicht; die übermittelten Fälle werden vom Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) erfasst. Im Vergleich der Jahre 2023 und 2024 zeichnet sich ein leichtes Ansteigen in den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Märkisch‑Oderland ab, während die Werte in der Prignitz und im Landkreis Potsdam‑Mittelmark relativ stabil blieben. Die langjährigen Mittelwerte liegen meist zwischen 30 und 70 gemeldeten Fällen pro 100 000 Einwohner, wobei lokale Hotspots – etwa rund um den Scharmützelsee – immer wieder über dem Durchschnitt liegen. Wichtig: Die Meldezahlen spiegeln nur diagnostizierte Erkrankungen wider; die tatsächliche Infektionsrate ist vermutlich höher, da viele Infektionen symptomlos verlaufen oder nicht ärztlich erfasst werden.
Schutzmaßnahmen für typische Brandenburg‑Ausflüge: Spreewald, Havelland, Barnim, Potsdamer Stadtrand
Ein Kahnfahrt durch den Spreewald bedeutet langes Sitzen im niedrigen Schilf – ideale Bedingungen für Auwaldzecken. Hier hilft langärmelige, helle Kleidung, die am besten mit einem Permethrin‑Imprägnierspray behandelt wird, sowie ein Repellent auf der Haut (z. B. Icaridin 20 %). Beim Radeln durch das Havelland entlang der Havelradwege empfiehlt sich ein eng anliegendes Trikot, das am Saum in die Socken gesteckt wird, damit keine Zecke unter die Kleidung kriechen kann. Für Waldspaziergänge im Barnim, wo der Holzbock dominiert, ist das regelmäßige Absuchen der Kleidung alle 30 Minuten ein bewährter Rhythmus – am besten mit einem feuchten Tuch, das Zecken leichter sichtbar macht. Im eigenen Garten am Stadtrand von Potsdam, wo oft Haustiere und Kinder spielen, lohnt sich ein kurzer „Zecken‑Check“ nach jedem Aufenthalt im Gras, kombiniert mit einem zeckenabweisenden Halsband für Hund und Katze.
Was nach einem Stich zu tun ist: Entfernen, beobachten, Test‑Kits und Anlaufstellen
Wenn sich eine Zecke festgesaugt hat, heißt es: ruhig bleiben und zügig handeln. Mit einer feinen Pinzette oder einer speziellen Zeckenkarte wird der Parasit so nah wie möglich an der Haut gegriffen und langsam, ohne Drehen, herausgezogen. Die Stichstelle wird anschließend desinfiziert. In den folgenden vier bis sechs Wochen sollte die Einstichstelle auf einen wandernden roten Ring (Erythema migrans) beobachtet werden – ein sicheres Anzeichen für Borreliose. Tritt Fieber, Gelenkschmerzen oder neurologische Auffälligkeiten auf, ist der Hausarzt oder eine der Brandenburger Infektionsambulanzen (z. B. an der Uniklinik Cottbus) der richtige Ansprechpartner. Ob die Zecke selbst im Labor untersucht werden sollte, ist umstritten: Das RKI rät davon ab, weil ein negatives Ergebnis keine Entwarnung gibt; entscheidend sind der Verlauf und die ärztliche Beurteilung.
Lokale Anlaufstellen: Gesundheitsämter, Impfbus, Forstämter, Naturschutzstationen
Die Gesundheitsämter der Risikogebietskreise Oder‑Spree, Spree‑Neiße und Elbe‑Elster bieten in der Regel wöchentliche Impfsprechstunden für die FSME‑Impfung an – oft ohne Termin, einfach mit der Versichertenkarte. Ergänzend tourt der „Impfbus“ des Landes Brandenburg in den Sommermonaten durch ländliche Gemeinden, hält an Dorfgemeinschaftshäusern, Schulen und bei Forstämtern. Die Forstämter in Eberswalde, Neuruppin und Lübben geben zudem aktuelle Zeckenwarnungen für ihre Reviere heraus und verteilen Infoblätter an Wanderparkplätze. Naturschutzstationen wie die im Naturpark Schlaubetal oder im Biosphärenreservat Spreewald bieten geführte Exkursionen an, bei denen das richtige Verhalten im Zeckengebiet direkt vor Ort geübt wird.
Fragen aus der Praxis
Welche Landkreise in Brandenburg sind FSME‑Risikogebiete? Nach der aktuellen RKI‑Liste (Stand Januar 2026) sind in Brandenburg f\u00fcnf Kreise als Risikogebiete ausgewiesen: Elbe‑Elster, Frankfurt (Oder), Oberspreewald‑Lausitz, Oder‑Spree und Spree‑Neiße. Die interaktive Karte des RKI zeigt die genaue Abgrenzung.
Wie hoch ist die Borreliose‑Gefahr nach einem Zeckenstich in Brandenburg? Eine Lyme‑Borreliose entsteht nur bei einem Teil der Stiche: Entscheidend sind die Saugdauer der Zecke und die Frage, ob sie überhaupt Borrelien trägt. Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko; ein Teil der Infektionen verläuft ohne Beschwerden.
Übernimmt die Krankenkasse die FSME‑Impfung in Brandenburg? Gesetzliche Kassen erstatten die Impfung für Personen, die in einem ausgewiesenen Risikogebiet wohnen oder sich dort beruflich/privat häufig aufhalten. Der Impfbus bietet die Impfung zudem kostenfrei an; private Zusatzversicherungen können weitere Kosten übernehmen.
— Lena Brandhoff, ZeckenSchutz Redaktion
Fazit und Kaufempfehlung
Dieser Ratgeber dient ausschließlich der Information über Zeckenschutz-Zubehör. Er ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.