Die unterschätzte Gefahr der zweiten Jahreszeit
Viele Tierhalter glauben, mit dem ersten Frost sei das Thema Zecken erledigt. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Solange die Temperaturen nicht dauerhaft unter dem Gefrierpunkt liegen, bleiben Zecken aktiv - und der Herbst gehört für sie sogar zur Hochsaison. Die kleinen Spinnentiere nutzen die feuchte Laubdecke in Gärten und Wäldern, um sich in Lauerposition zu bringen. Ein einziger Herbstspaziergang durch hohes Gras oder Laub am Wegrand kann für Hund und Katze Dutzende unbeabsichtigte Mitbringsel bedeuten.
Besonders tückisch: Herbstzecken haften sich oft unbemerkt an schwer einsehbaren Stellen fest - zwischen den Zehen, in den Achseln, hinter den Ohren oder am Bauch. Katzen, die sich beim Putzen die Parasiten nicht selbst entfernen können, tragen sie oft tagelang mit sich herum. Genau diese Verzögerung macht die Herbstsaison gefährlich, denn viele durch Zecken übertragene Krankheiten wie Borreliose oder Anaplasmose brauchen Zeit, um im Organismus Fuß zu fassen.
Warum kühles Wetter Zecken nicht aufhält
Zecken sind wechselwarm und passen ihre Aktivität der Umgebung an. Bei etwa zehn bis fünfzehn Grad Celsius verlangsamen sie ihren Stoffwechsel, hören aber nicht auf zu warten und zuzustechen. Erst dauerhafte Minusgrade machen ihnen nachhaltig zu schaffen. Hinzu kommt, dass viele Zeckenarten im Herbst ein zweites Aktivitätsfenster öffnen, nachdem sie den Sommer in einer Ruhephase überdauert haben. Für Haustiere, die täglich ins Freie dürfen, bedeutet das: Der Schutz muss das ganze Jahr über durchgehalten werden, nicht nur von März bis August.
Der wirksame Schutz für Hund und Katze
Zuverlässiger Zeckenschutz beginnt vor dem Spaziergang, nicht danach. Für Hunde gibt es erprobte Repellentien auf synthetischer Wirkstoffbasis, die als Spot-on, Spray oder Halsband über Wochen wirken. Katzen sind deutlich empfindlicher und vertragen manche für Hunde zugelassene Wirkstoffe nicht. Achten Sie deshalb strikt auf Katzen-geeignete Präparate und dosieren Sie nach Gewicht, nie nach Gefühl. Wirksame Alternativen aus der Natur - ätherische Öle, Kokosöl oder Kräuterhalsbänder - können ergänzend genutzt werden, ersetzen aber keinen medizinisch geprüften Schutz bei hohem Zeckendruck.
Nach dem Spaziergang pflichtbewusst absuchen
Die zweite Säule des Schutzes ist die konsequente Kontrolle nach jedem Ausflug ins Grüne. Streichen Sie mit den Fingern gegen und dann mit dem Fell durch das gesamte Tier: Zecken fühlen sich wie kleine harte Knubbel an. Achten Sie besonders auf Kopf, Hals, Ohren, Achseln, Leistengegend, Schwanzansatz und die Zwischenzehenräume. Bei Langhaartieren hilft es, das Fell mit der Hand zu teilen und systematisch Strähne für Strähne abzusuchen. Wer früh findet, hat gewonnen: Die Übertragungsgefahr vieler Erreger steigt mit der Dauer des Saugakts deutlich an.
Zecke gefunden - richtig handeln
Entfernen Sie eine festgesaugte Zecke so schnell wie möglich mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte, ohne sie zu quetschen und ohne sie vorher mit Öl, Klebstoff oder Hitze zu betäuben. Setzen Sie das Werkzeug so nah wie möglich an der Haut an, greifen Sie den Kopf der Zecke und ziehen Sie sie langsam und gerade heraus. Anschließend die Stelle desinfizieren und den Fund mit Datum im Kalender notieren. Bilden sich innerhalb von Tagen bis Wochen eine wandernde Rötung, Fieber oder Teilnahmslosigkeit, sollte der Tierarzt aufgesucht werden - und der Notizzettel hilft ihm bei der Einschätzung.
Fazit
Der Herbst ist kein Freifahrtschein für Zecken, sondern ihre zweite Chance. Mit durchgehendem Schutz, gründlicher Absuche nach jedem Ausflug und der richtigen Entfernungstechnik sichern Sie Hund und Katze auch in der kalten Jahreszeit zuverlässig ab. Planen Sie den Schutz rechtzeitig, bevor der erste Nebel über den Wiesen liegt.