Der Frühling zieht wieder über die Hänge des Schwarzwalds und die Wiesen Brandenburgs – und mit ihm die kleinen Blutsauger, die sich unbemerkt an Hosenbeinen festklammern. Wer schon einmal nach einer Tour im Hochgras eine Zecke am Knöchel entdeckt hat, weiß, wie schnell ein entspannter Tag zur Geduldsprobe wird. Deshalb lohnt es sich, vor dem nächsten Ausflug kurz innezuhalten und die eigene Ausrüstung sowie das Wissen auf den neuesten Stand zu bringen.
Vorbereitung: Risikogebiete kennen & Impfstatus prüfen
Bevor der Rucksack gepackt wird, lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Karten des Robert Koch‑Instituts und der Landesämter für Gesundheit – in Bayern etwa das LGL. Dort lässt sich auf Gemeindeebene sehen, wo die FSME‑Inzidenz aktuell erhöht ist. Parallel dazu sollte der eigene Impfpass geprüft werden: Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME‑Impfung für alle, die sich regelmäßig in Risikogebieten aufhalten. Wer unsicher ist, ob die letzte Auffrischung noch gilt, fragt kurz beim Hausarzt oder in der Apotheke nach – ein schneller Check spart später viel Ärger.
Kleidung & Ausrüstung: Gamaschen, helle Kleidung, Permethrin‑Imprägnierung
Lange Hosen, die in die Socken gesteckt werden, sind der erste Schutzschild. Helle Stoffe machen die dunklen Krabbler leichter sichtbar, und Gamaschen aus dichtem Gewebe verhindern, dass Zecken an den Beinen hochklettern. Wer seine Schuhe, Socken und den Rucksack selbst imprägnieren möchte, nutzt ein Permethrin‑Spray nach Packungsanweisung: Kleidung flach ausbreiten, gleichmäßig besprühen, trocknen lassen und danach bei 30 Grad waschen – die Wirkung hält mehrere Waschgänge an. Wichtig: Permethrin nie direkt auf die Haut sprühen, sondern nur auf Textilien.
Repellents im Vergleich: DEET, Icaridin, natürliche Mittel – Wirkung, Dauer, Hautverträglichkeit
Auf der Haut kommen Repellents zum Einsatz. DEET in Konzentrationen von 30 bis 50 % schützt zuverlässig sechs bis acht Stunden, kann aber bei empfindlicher Haut leicht reizen. Icaridin (20 %) bietet eine ähnliche Schutzdauer, gilt als hautfreundlicher und ist auch für Kinder ab zwei Jahren zugelassen. Pflanzliche Öle wie Zitronen‑Eukalyptus wirken nur ein bis zwei Stunden und sind bei starkem Zeckenaufkommen weniger verlässlich. Wer sich unsicher ist, testet das Mittel zuerst an einer kleinen Hautstelle und achtet auf das Verfallsdatum – abgelaufene Sprays verlieren schnell an Wirksamkeit.
Verhalten auf dem Trail: Wegewahl, Pausen, Zecken‑Check unterwegs
Auf markierten Wegen zu bleiben, reduziert den Kontakt mit hohem Gras und Unterholz, den bevorzugten Warteplätzen der Zecken. Bei Rastplätzen lohnt sich ein kurzer Blick auf die eigenen Beine und Arme – alle ein bis zwei Stunden reicht ein schneller Scan, um frühe Anhaftungen zu entdecken. Eine kleine Zecken‑App, etwa die „Zecke“ des Bundesinstituts für Risikobewertung, hilft dabei, Funde zu dokumentieren und die lokale Verbreitung mitzuverfolgen. Wer mit Hund unterwegs ist, kontrolliert auch das Tier bei jeder Pause.
Nach der Tour: Duschen, Wäsche, Körper‑Check, Zecken‑Apps & Meldung
Zurück zu Hause heißt es: sofort duschen, um lose Zecken abzuwaschen. Die getragene Kleidung kommt bei 60 Grad in die Maschine – die Hitze tötet eventuelle Mitfahrer. Anschließend folgt ein systematischer Ganzkörper‑Check: Haaransatz, Ohren, Achseln, Kniekehlen, Leiste und Zehenzwischenräume nicht vergessen. Gefundene Zecken werden in der App eingetragen; bei Verdacht auf FSME‑Risikogebiet informiert man das zuständige Gesundheitsamt, damit die Meldekette geschlossen bleibt.
Zeckenstich: Entfernen, Timeline (<24 h, >24 h, Wanderröte, Symptome) & Haustiere schützen
Eine festsitzende Zecke wird mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenkarte so nah wie möglich an der Haut gegriffen und langsam, gerade herausgezogen – kein Drehen, kein Quetschen. Die Stichstelle wird desinfiziert und notiert. In den ersten 24 Stunden ist das Übertragungsrisiko für Borreliose gering, danach steigt es. Über die folgenden 30 Tage wird die Haut auf eine sich ausbreitende Rötung (Wanderröte) sowie grippeartige Symptome beobachtet; bei Auftreten sofort ärztliche Abklärung. Für Hunde und Katzen gibt es Spot‑On‑Präparate, Halsbänder und eine FSME‑Impfung beim Tierarzt – besonders wichtig, wenn der Vierbeiner regelmäßig im Wald unterwegs ist.
Rucksack‑Checkliste: Zeckenkarte, Pinzette, Desinfektion, Beutel
Ein kleiner Beutel im Rucksack spart im Ernstfall Zeit: Zeckenkarte oder Pinzette, Alkoholtupfer, ein paar sterile Pflaster und ein wiederverschließbarer Plastikbeutel für die entfernte Zecke. So lässt sich der Fund hygienisch aufbewahren, falls eine spätere Laboruntersuchung gewünscht ist. Die Liste wird vor jeder Tour kurz durchgegangen – ein Ritual, das schnell zur Routine wird.
Regionale Zeckenkarten & Apps nutzen
Neben der RKI‑Karte bieten viele Bundesländer eigene Online‑Portale mit tagesaktuellen Meldungen. In Hessen beispielsweise veröffentlicht das Landesamt für Gesundheit regelmäßig Heatmaps, die auch für Wanderwege relevant sind. Die BfR‑App „Zecke“ ermöglicht das Melden eigener Funde und zeigt Cluster in der Nähe an. Wer diese Tools vorab auf dem Smartphone speichert, hat unterwegs keinen Empfangsstress.